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Gegensätze

Zwischen Holzhaus und Hochhaus

 

Rothemden aus dem verarmten ländlichen Norden protestieren im Businessbezirk Bangkoks (© Thilo Thielke)

Die ersten Jahre in Bangkok lebten wir in einem wunderschönen alten Thai-Haus nahe der Kreuzung Sukhumvit Road/Asok, einer viel befahrenen Kreuzung mit Skytrain und Staus und riesigen Bürotürmen und Einkaufszentren.

Wenn wir da unten so in unserer kleinen Oase saßen und in den Himmel schauten, dann blickten wir auf zwei Wolkenkratzer. Sie umrahmten das typische Bangkok-Grau des Himmels, von dem immer ein kleines Fleckchen zu sehen war, und das wuchernde Blattwerk tropischer Pflanzen, die aus unserem Garten wuchsen und dieses kleine Fleckchen unbetonierter Fläche zu wahrhaft schamlosem Wachstum nutzten. Die Häuser, die wir bewohnten, waren uralt und von den Hausbesitzern anno Tobak aus Ayutthaya herangeschafft worden. Im Eingang standen ein bronzener Buddha und zwei steinerne Drachenfiguren, die uns beschützten. Zum Glück waren die Eigentümer dieses kleinen Paradieses ziemlich reich und deshalb nicht der Verlockung erlegen, ihr Grundstück inmitten der Megapolis an den nächstbesten Spekulanten zu verscherbeln. Bangkok ist eine Stadt der Gegensätze.

Holzhäuser stehen neben Wolkenkratzern. Immobilienspekulanten erkundigen sich bei ihren Mönchen nach dem richtigen Standort für das Geisterhaus. Gleich um die Ecke von unserem verschlafenen Heim befand sich die berüchtigte Soi Cowboy, eine vielleicht 200 Meter lange Gasse, in der sich ein Bumslokal mit Stangentanz an das andere reiht, und quer gegenüber von dieser sündigen Meile hatte die altehrwürdige Siam Society, die sich der Erforschung thailändischer Sitten und Gebräuche verschrieben hat, ihren Sitz. Gestört hat sich daran niemand. Nur unsere Gäste aus Deutschland fanden das Nebeneinander von Tradition und Moderne bisweilen gewöhnungsbedürftig.

Gegensätze – einer von 151 Einblicken in die Gesellschaft Thailands. Alle 151 Momentaufnahmen, bewegende Fotos und spannende Texte finden Sie im Buch Thailand 151 – erschienen im CONBOOK Verlag. Weitere Informationen

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Wein

Zum Wohl!

 

(© Thilo Thielke)

Eigentlich dürfte hier in Südostasien am 13. Breitengrad ja gar kein Wein wachsen, zumindest kein guter, meinen die Traditionalisten aus Bordeaux, der Toskana oder dem Rheingau. Die schwören darauf, dass Wein nur zwischen dem 30. und 50. Breitengrad gedeiht. Von wegen.

Die New Latitude Wines, die Weine aus den anderen Breitengraden, sind seit Jahren auf dem Vormarsch. An edle Tropfen aus Chile und Argentinien hat man sich schon gewöhnt. Doch jetzt kommt guter Wein auch aus Burma oder Thailand.

Drei Premium-Weine produziert die deutsche Winzerin Kathrin Puff, die seit September 2007 bei Siam Winery in Thailand für die Produktion verantwortlich ist: einen weißen Shiraz, einen roten Shiraz und einen Colombard. Ihr größter Stolz, der White Chiraz, eigentlich ein Rosé, hat 2008 bei der Vin Austria Wine Challenge die Goldmedaille abgeräumt und bei der Mundus Vini (Deutschland), der FBAT Wine Challenge (Thailand) und der Syrah du Monde (Frankreich) jeweils Silber.

Regelmäßig bedenkt der amerikanische Weinpapst Robert Parker die Thaiweine mit guten Noten. Doch Weinbau in Thailand ist eine Wissenschaft für sich. Hier, wo die Sonne stets zwischen 18 und 19 Uhr untergeht, gibt es viel weniger Licht als im europäischen Sommer, die Intensität reicht oft nicht aus für einen Fruchtansatz. Dafür wächst alles im feuchtwarmen Klima wie in einem Treibhaus. »Ständig müssen die Reben geschnitten und kontrolliert werden«, sagt Puff, »der Weinbau ist in Thailand viel arbeitsintensiver und weniger ertragreich.«

Niedrige Lohnkosten machen den Weinbau in Thailand dennoch möglich. 30 Hektar bewirtschaftet die Siam Winery in Hua Hin, zehn Hektar von Bewässerungsgräben durchzogene »schwimmende Weinberge« im Chao-Phraya-Delta. »Der Wein ist gut«, sagt Kathrin Puff, »jetzt müssen wir nur noch die Konsumenten überzeugen.«

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Mae Sot

Stadt der Exilanten

 

(© Thilo Thielke)

Als der dänische Maler Ebbe Kornerup in den 1920er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Burma kommend Mae Sot erreichte, war dieser nordwestliche Vorposten Siams ein abgeschiedener Ort, den nur selten Fremde zu Gesicht bekamen.

Eine Stadt, wie Kollerup berichtete, »die fern von allem Verkehr so hoch in den Bergen gelegen war, dass die Post aus Bangkok nur dreimal die Woche kam, und Briefe bei ungünstiger Witterung bisweilen wochenlang unterwegs waren«. Kollerup sah Ponys grasen, Häuser auf Pfählen und gelbe Priester, die »mit untergeschlagenen Beinen auf Matten um knisterndes Feuer« saßen. Kurzum: »Alles in diesem entlegenen Dorf atmete Ruhe und Frieden«.Neunzig Jahre später ist Mae Sot eine mittlere Großstadt geworden. Zu den über 100.000 thailändischen Bewohner sollen ungefähr genauso viele Burmesen kommen und Dutzende ausländischer Hilfsorganisationen. Überall in der Stadt kann man Frauen und Kinder beobachten, die ihre Gesichter mit der gelblich-weißen Thanaka-Paste eingerieben haben, die unter den Burmesen so weit verbreitet ist und gegen die tropische Sonne schützen soll. Es sind Menschen wie Khin Cho Myint, die für die Assistance Association for Political Prisoners arbeitet, eine Organisation, die den politischen Gefangenen in Burma helfen will und ihren Hauptsitz in Mae Sot hat.

Seit 2004 lebt Khin schon in Thailand, fünf Jahre und neun Monate hatte sie zuvor in burmesischen Gefängnissen gesessen – wegen ihrer Mitgliedschaft in einer oppositionellen Studentenvereinigung. Hinter ihr hängt ein Poster mit wichtigen burmesischen Oppositionellen. »Bevor es nicht eine totale Amnesty für die politischen Häftlinge in Burma gibt, bleiben wir in Thailand«, sagt Khin, »wir kehren nur zurück in unsere Heimat, wenn wir das auch in Würde tun können.« Das kann dauern, und so lange wird Mae Sot die wohl burmesischste Stadt Thailands bleiben.

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Elefantenführerschein

Tourismus und Tierschutz

 

(© Thilo Thielke)

Mae Sapok, irgendwo im Norden Thailands, rund eine Autostunde von Chiang Mai entfernt. Das Elefantencamp befindet sich mitten im Wald neben einem kleinen Wildbach, in den ein Wasserfall hinunterrauscht. Die Tiere genießen das Bad sichtlich, tauchen, spritzen, tröten. Es ist eine ganze Herde.

Daneben steht ein Deutscher im Schlabberlook – Sandalen, weißes T-Shirt, Pferdeschwanz – und freut sich. Bodo Förster aus Saalfeld in Thüringen, ehemaliger Tierpfleger aus dem Ostberliner Zoo Friedrichfelde, nach der Wende in Thailand zum Mahut (Elefantenführer) ausgebildet. Damals, Anfang der 1990er-Jahre, wurde er Zeuge vom Niedergang des asiatischen Elefanten. Und da fasste er einen Entschluss. Er wollte in Thailand bleiben und seine eigene Elefantenlodge aufbauen. Er wollte den Menschen Respekt vor dem Elefanten beibringen. Er wollte den Elefanten ein würdevolles Leben ermöglichen. Und natürlich wollte er auch von etwas leben. Mit einem thailändischen Kompagnon baute er seine eigene Firma auf, Startkapital 5.000 Euro.

Irgendwann kaufte er seinen ersten eigenen Elefanten, die mittlerweile fünfzigjährige Kuh Mae Gaeo, und mietete einige andere Tiere mitsamt ihren Mahuts dazu. Dann kamen die ersten Kälber. Aus einem Camp wurden zwei. Gerade hat sich Förster seinen zweiten eigenen Elefanten zugelegt.

Das Konzept, Tourismus mit Tierschutz zu verbinden, funktioniert offenbar hervorragend. 600 Gäste hat er bereits durch seine Camps geschleust. Zwanzig Prozent seien Wiederholungstäter, sagt der Inhaber von Elephant Special Tours (www.elephant-tours.de), Arbeitgeber von mittlerweile 30 Mitarbeitern. Die besonders Ehrgeizigen können am Ende eines zweiwöchigen Spezialprogramms bei ihm einen Führerschein erwerben im Elefantenreiten, -füttern, -streicheln und -führen.

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Zitronengras

Das Standardgewürz

 

»Lemongrass« hieß eines unser Lieblingsrestaurants in Bangkok, es liegt direkt gegenüber vom Emporium-Einkaufzentrum in der Sukhumvit 24 (unbedingt Gai Manao, Crispy Pork with Cashew Nuts und Barbecue-Sate probieren!).

Zitronengras oder Citronella ist eines der Standardgewürze der thailändischen Küche und hat mit Zitrusfrüchten nichts gemein. An Limonen erinnert lediglich der Duft, und der stammt vom ätherischen Öl Citral, das im Zitronengras enthalten ist. Ansonsten gehört das lemongrass, wie der Name schon sagt, zu den Gräsern – Commeliniden, Ordnung: Süßartige (Poales), Familie: Süßgräser (Poaceae). Es verfügt über schilfartige Blätter, besitzt grüne Stängel, eine weiße Bulbe und schimmert innen violett.

Am beliebtesten sind die Bulben, die zum Würzen verwendet werden. Man schmeißt sie einfach in die Suppe oder das Curry und lässt sie mitgaren, damit sie ihr Aroma entfalten können. Am Ende schiebt man sie zur Seite und genießt den Rest. Der Stängel hingegen wird gerne als Spieß für Schweine- oder Hühnerfleisch-Saté benutzt. Es gibt Zitronengras mittlerweile sogar getrocknet in Gewürzmischungen, und das Öl soll gegen Moskitos helfen. Neben dem Bett hatten wir immer ein Stövchen mit dem Duftstoff stehen.

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Dresscode

Kleiner Knigge

 

Der Tourist trägt gerne kurze Hosen. Er denkt, wo es warm ist, sind Badelatschen gern gesehen. Eine Baseballmütze auf dem krebsroten Kopf. Feinripp zum Frühschoppen. Ein ärmelloses Netzhemd fürs Restaurant oder das Hawaiihemd. Am Strand vielleicht ganz nackt. Ölige Haut. Oder Tanga, damit auch jeder das tätowierte Arschgeweih sehen kann. Im Tempel aber mindestens ein Bikini. Wer mag so etwas?

Thais nicht. Sie beurteilen Fremde stark nach dem Äußeren. Wer scheußlich durch die Gegend strolcht, wird allenfalls als zweibeiniger Geldautomat geduldet. Respekt erwirbt man sich anders. Wer sich vollkleckert, sollte die Kleidung wechseln und irgendwann reinigen lassen. Hosen haben lang und gebügelt zu sein. Die Schuhe sind geputzt. Vor dem Betreten von Häusern zieht man sie aus. Auf keinen Fall betritt man mit seinen Adiletten einen Tempel. Und: Mützen ab!

Thais sind eitel. Sie können stundenlang vor dem Spiegel stehen, und Männer brezeln sich oft auf wie Frauen. Fremde aber, die gammelig herumlaufen, gelten als arm oder geschmacklos. »Falang kii-nok«, rufen ihnen dann die Thais nach. Auch nicht besonders höflich. Es bedeutet »Vogelkot-Ausländer«. Für diejenigen, die den Königspalast besuchen wollen, gilt: keine ärmellosen Hemden, keine Westen, keine Tops, nichts Durchsichtiges, keine kurzen Hosen, keine kaputten Hosen, keine eng anliegenden Hosen, keine Kniebundhosen, keine Miniröcke. Viele Hotels und Rooftop Bars bestehen mindestens auf Hemd und anständigem Schuhwerk. Bei offiziellen Anlässen gilt der Schmuddel-Look gar als Affront. Kurze Hosen sind was für Kinder.

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Wetter

Drei Jahreszeiten

 

Alle reden vom Wetter, aber eigentlich bestimmt er alles: »Mons´un (von arab. ›Jahreszeit‹), der, bes. in Asien auftretender Wind mit halbjährl. Richtungswechsel. Im Sommerhalbjahr strömen die M. landeinwärts, im Winterhalbjahr landauswärts« (Brockhaus, 1955).

Am berüchtigtsten ist der Südwestmonsun, der vom Indischen Ozean kommend zwischen Juni und Oktober über das Land fegt und ihm bisweilen sintflutartige Regenfälle beschert. Der Wintermonsun hingegen bringt kühlere Luft aus dem Nordosten, also aus China. Er weht von November bis Februar. In der Zeit zwischen März und Mai ist es hingegen oft trocken und heiß und gewitterig. Ausgelöst werden die Winde durch die jahreszeitliche Erwärmung bzw. Abkühlung der Landmassen Australiens und des asiatischen Kontinents und die dadurch entstehenden Hoch- und Tiefdruckgebiete. Drei Jahreszeiten hat Thailand also.

Dennoch fällt das Klima in den verschiedenen Regionen sehr unterschiedlich aus. Im gebirgigen Norden ist es kühler, und es regnet weitaus weniger als im Süden. Aber so verheerend die Wolkenbrüche bisweilen auch sein mögen – meist sind sie nur von kurzer Dauer und den hitzegeplagten Tropenbewohnern ein wahrer Segen. Für ein paar Inseln im gut geschützten Golf von Thailand, Koh Samui, Koh Phangan oder Koh Tao etwa, gelten ganz eigene Regeln. Hier regnet es selbst im Sommer (Thailand liegt auf der Nordhalbkugel!) nur wenig – stattdessen schüttet es zwischen Oktober und Dezember.

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Traditionelle Chinesische Medizin

Gallenblasen und Ginseng

 

Was gegen Gliederschmerzen und allgemeines Schwächegefühl hilft? Lim Hung zögert keine Sekunde: »Diese Fischblasen hier.« Und gegen Rheuma?

Der Chinese zieht eine geheimnisvolle Schachtel aus dem Regal. Mehr als 100 Dollar will der Händler für die Kapseln. Nebenan, bei Wuay Nguan Tong, gibt es sogar etwas gegen Krebs: »250 Euro das Paket. Sie müssen die Pillen aber zwei Wochen lang jeden Tag einnehmen.«

Wir sind in Bangkoks China Town. Hier reiht sich Laden an Laden. In den Restaurants gibt es Haifischflossen, und in den unzähligen Apotheken wird Traditionelle Chinesische Medizin verhökert. Die richtig interessanten Sachen aber werden nur unter dem Ladentisch gehandelt. Gallenblasen von Schwarzbären, vermeintliche oder echte Tigerpenisse, die Schädel von Plumploris, nachtaktiven Kleinaffen. Der Renner im Moment ist das Horn des Rhinozerosses. Es soll gegen alle möglichen Wehwehchen helfen. Insbesondere die Chinesen und Vietnamesen sind so besessen von dem »Wundermittel«, dass in Afrika wieder gewildert wird wie zu den schlimmsten Zeiten.

Natürlich gibt es uraltes Wissen. Natürlich heilt die Natur. Natürlich ist gegen Ginsengwurzeln nichts zu sagen. Es wird aber auch lebensgefährliche Quacksalberei betrieben, haben australische Forscher herausgefunden, als sie einige
Wunderpillen in ihren Labors untersuchten und dabei die schlimmsten Chemikalien entdeckten. Und der Verzehr von Nashornpulver ist erwiesenermaßen so wirkungsvoll wie das Kauen an Fingernägeln – es handelt sich schließlich um die gleiche Substanz.

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Klongs

Auf dem Wasser und zu Lande

 

Was waren das noch für Zeiten! »Auf den Kanälen herrscht mehr Verkehr als auf den Straßen«, notierte in den 1920er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts der US-Reporter Andrew A. Freeman, »viele dieser Boote sind hundert Meilen gefahren; bei Flut rudern die Binnenschiffer, bei Ebbe ruhen sie sich aus. Hausierer führen auf Booten ihre Ware vor und Köche machen in den unsichersten Kanus an anderen Booten fest und verteilen Reis, gebratenen Fisch und Fleisch.« Bangkok sei eine schwimmende Stadt, und für seine Bewohner sei nicht die Erde wichtig, sondern »Mutter Wasser ist der große Ernährer«.

Zu Freemans Zeit endete die enorme Abhängigkeit Bangkoks vom Wasser. Der letzte große klong war 1895 gegraben worden, und 1915 ging die Ära des Kanalbaus zu Ende. Aber natürlich herrscht auch heute noch lebhaftes Treiben auf den vielen Kanälen, welche die Hauptstadt durchschneiden, und oft ist man in einem der vielen Schnellboote, die Passagiere von einem Ende der Stadt ans andere befördern, zügiger unterwegs als mit Auto oder Motorrad. Doch die klongs sind verdreckt. Sie stinken. Und die letzten Fische haben sich schon vor langer Zeit aus ihnen verabschiedet. Zweieinhalb Millionen Kubikmeter Abwasser produziert die Millionenstadt Bangkok täglich, wovon lediglich 20 Prozent gereinigt werden. Der Rest wandert ins Kanalsystem. Neu ist das allerdings nicht, Bangkoks Wasser hat schon vor 100 Jahren seine Bewohner krank gemacht. Berichterstatter Freeman von der Bangkok Daily Mail erwähnt Typhus- und Choleraepidemien. Die Einheimischen würden sich in den klongs waschen, sie als Abwasserleitung benutzen, und bis vor Kurzem hätten sie noch daraus getrunken.

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Garuda

Mythen und Moneten

 

Schwer zu sagen, welches Mythenwesen in Thailand am weitesten verbreitet ist. Garuda, der Adlermensch mit dem stählernen Körper und den weiten Schwingen, liegt bestimmt ganz vorne.

Das Abbild Phra Khruts ziert Banken und Thronkissen, die gelbe Maharat-Flagge, die die Anwesenheit des Königs anzeigt, Behörden, Autobahnschilder und Banknoten, und es taugt auch etlichen königlichen Hoflieferanten als Wappentier. Die Indonesier haben sogar ihre staatliche Fluglinie nach ihm benannt.

In der indischen Mythologie reitet Vishnu auf Garuda, dem Schlangentöter. 12.800 Kilometer Spannweite sollen seine Flügel haben, behauptete Sukothai-König Li Thai in seiner »Predigt über die drei Welten«. Garuda ist das persönliche Symbol des thailändischen Königs. Die Garudas seien selber Könige, glauben die Buddhisten, und die Heimat der Riesenvögel seien die Bäume am Hang des heiligen Berges Meru. Von dort bricht Garuda, das Adlerwesen, auf in den ewigen Kampf mit Naga, der Schlange.

Nietzsche hat das Bild aufgegriffen und lässt seinen Zarathustra mit Schlange und Adler in die Berge ziehen. Beim Philosophen allerdings sind die beiden Erzfeinde friedlich vereint: »Ein Adler zog in weiten Kreisen durch die Luft, und an ihm hing eine Schlange. Nicht einer Beute gleich, sondern einer Freundin: denn sie hielt sich um seinen Hals geringelt.«

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Tuk-tuk

Kult und Qual

 

Wenn Sie, sagen wir, in Bangkoks NBKEinkaufszentrum fahren möchten, um irgendwelche Ramschware zu kaufen, aber vorher bei einem indischen Schneider haltmachen, die Einladung in ein teures Restaurant abwehren müssen und schließlich in einer Nacktbar in Bangkoks Rotlichtviertel Soi Cowboy landen, dann sind Sie sehr wahrscheinlich in ein tuk-tuk gestiegen, statt ein billigeres Taxi zu stoppen.

Unsere Kinder lieben tuk-tuks, sie sind bunt angemalt und machen Krach und man kann Arme und Beine herausstrecken. Sie wirken ja auch ganz putzig, diese dreirädrigen, oft windschiefen Autorikschas. Und sie sind für Thailand so typisch wie die jeepneys für die Philippinen oder die Fahrradrikschas für Vietnam. Fast 50.000 sollen auf den Straßen des Landes unterwegs sein, erfunden wurde das motorisierte Dreirad allerdings in Japan. Heute sitzen meist Touristen in den Gefährten, und es gibt Inseln, auf denen außer tuk-tuks kaum andere öffentliche Verkehrsmittel existieren.

Ansonsten ist das tuk-tuk als Fortbewegungsmittel eine Qual, finde ich zumindest. Man ist völlig ungeschützt dem Lärm, der Hitze und dem Gestank der Großstadt ausgesetzt. Die Sitze sind hart und niedrig und eher etwas für begnadete Körper. Viel sehen kann man wegen der geschwungenen Dächer auch nicht. Schneller kommt man definitiv mit einem motosai voran und bequemer im Taxi. Und all die Mühsal muss man in der Regel noch mit endlosen Verhandlungen und einem am Ende viel zu hohen Preis bezahlen. Schön anzusehen sind sie trotzdem.

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Sepak takraw

Fußballtennis

 

(© Fabio Polenghi)

Wenn man im Fußball einen Preis für schönes Spielen gewinnen würde, wäre Thailand Weltmeister. Nie habe ich akrobatischere Seitfall- oder Fallrückzieher gesehen, selten dynamischere Hechtsprünge, kaum eine elegantere Ballbehandlung als am Straßenrand irgendeiner x-beliebigen thailändischen Stadt.

Natürlich: Fußball im engeren Sinne ist das nicht. Es nennt sich sepak takraw, stammt ursprünglich aus Malaysia und wird in ganz Südostasien gespielt. Sepak (malaiisch: schießen) takraw (thai: der geflochtene Ball) ist eher eine Mischung aus Volley- oder Federball und Fußball.

In der Mitte des Felds befindet sich ein Netz, eine Mannschaft besteht aus drei Spielern, und Ziel des Spiels ist es, den Ball in der Luft zu halten, beziehungsweise nicht auf den Boden kommen zu lassen. Die Aufgabe, den Gegner durch Schmetterbälle in die Knie zu zwingen, kommt dem jeweiligen striker zu. Und der muss, um dem Ball von oben den nötigen Druck zu verpassen, Uwe-Seeler-mäßig durch die Luft wirbeln.

Die beiden anderen Spieler (tekong und feeder) bedienen den Frontmann und wehren die Angriffe der anderen ab. Der Ball ist vergleichsweise klein, aus Kunststoff und so geflochten, dass er ziemlich elastisch ist. Die Hände dürfen nur zum Abschlag benutzt werden, und erlaubt sind maximal drei Ballberührungen.

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Das Buch

Thailand 151

Das sagen die Medien

»Egal [...] wo man das Buch aufschlägt, erwarten einen Bilder einer schön gearteten Kultur, und selbst der Liebhaber des Landes, den es seit vielen Jahren immer wieder dorthin zieht, erfährt landesspezifische Details, von denen er bisher nicht wusste.« (Arne-Wigand Baganz, versalia.de, 28. September 2013)

»Faszinierende Reise durch Normalitäten und Verrücktheiten der Geschichte, Kultur und des Alltags Thailands. Serviert in appetitlichen Häppchen, will man gar nicht mehr stoppen, Seite um Seite immer neue Facetten des Urlaubsparadieses zu erkunden.« (Marc Reinecke, Little-Thailand.de, August 2013)

Informationen zum Buch

Thailand – Land des allgegenwärtigen Lächelns im legendären Goldenen Dreieck, das im April das neue Jahr mit Wasserduschen begrüßt und zu Ehren seines Gottkönigs Bhumibol montags Gelb trägt. Im dynamischen Tigerstaat mit seiner mondänen Megacity werden aus Müll Kunstwerke geschaffen und sind jahrhundertealte Traditionen wie das Obst- und Gemüseschnitzen ebenso lebendig wie Aberglaube und Wettleidenschaft.

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Autor Thilo Thielke

Thilo Thielke wurde in Hannover geboren, wo er von 1985 bis 1990 für die Neue Presse arbeitete. Von 1990 bis 1996 war er für Spiegel TV tätig und berichtete hauptsächlich über den Balkan. 1997 kam er zum Spiegel, zunächst ins Deutschland-, dann ins Sportressort. Von 2003 bis 2008 zog er für den Spiegel nach Nairobi - dort wurden auch seine Kinder geboren. Danach war er Korrespondent in Bangkok. Seit 2013 lebt er mit seiner Familie wieder in Ostafrika und führt eine Lodge am Kilimandscharo (www.kaliwalodge.com). In den vergangenen Jahren veröffentlichte er zahlreiche Bücher über Zeitgeschichte, ferne Länder (Kenia, Sudan, Philippinen) und Fußball (Stan Libuda).

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