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Islandmoos

Nahrung und Heilpflanze

 

(© Johannes M. Ehmanns)

Die meisten kennen die wohlschmeckenden Pastillen, die bei Hals- und Atemwegserkrankungen empfohlen werden und die auf der Basis des Islandmooses hergestellt wurden.

Cetraria islandica, so lautet der wissenschaftliche Name des Mooses. Es kommt in ganz Europa vor, und fast jeder wird es schon mal gesehen haben. Allein in den vegetationsreichen Ländern fällt es oft nicht so ins Auge. In Island dagegen können sich auch größere Moosgewächse bilden, selten sind diese dann inmitten weiterer Pflanzen zu finden. Das Moos wächst eher solitär, manchmal bemerkt man die braungrauen Blätter kaum auf dem felsigen Untergrund. Es gibt zudem auch Moospolster, die mit als erste Pflanzen Lava bewachsen. Die Polster wachsen zu riesigen Teppichen aus und verdecken fatalerweise auch Löcher und Spalten in der Lava. Es heißt sogar, dass Menschen schon in großen Lavaöffnungen verschwunden seien, weil sie wegen des Mooses nicht zu erkennen waren.

Schon die frühen Siedler kannten die heilende Kraft des Mooses. Eines der traditionellen Gerichte ist Skýr mit Moos. Noch heute findet man in den Lebensmittelgeschäften abgepacktes Islandmoos. Ideal ist ein Tee bei Halsschmerzen oder ein Heißgetränk aus Milch mit braunem Zucker und Moos.

Anbei: Das Moos wird nicht nur von den Menschen geschätzt, auch die Rentiere scharren es mit ihren Hupfen im Winter unter dem Schnee hervor.

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Arctic Henge

Die Welt der Edda in Stein

 

(© Johannes M. Ehmanns)

Hoch im äußersten Nordosten, da wo sich die Füchse »Gute Nacht« sagen, liegt ein kleiner Fischerort: Raufarhöfn. Die weite Ebene auf der namenlosen Halbinsel heißt Melrakkaslétta (Fuchsebene) und gehört zu den unbeachteten Regionen im Land.

Erlingur Thoroddsen hatte eine Idee. Zunächst hat er in Raufarhöfn die ehemalige Unterkunft der Heringsarbeiterinnen in ein einladendes Hotel verwandelt. Spröde von außen, aber gemütlich innen. Wenn er auch noch kochte, hatte man den besten Platz der Welt. Hier, nur knapp südlich des Polarkreises, gibt es die schönsten und längsten Sonnenuntergänge sowie die eindrucksvollsten Polarlichter. Doch Erlingur wollte mehr, wenn schon die Fischfabrik schwächelte, so sollte doch der Tourismus helfen. Und dafür brauchte es eine Attraktion: Arctic Henge.

2006 zeigte er uns die Pläne und fuhr mit uns zu einem Steinbruch. Diese Felsbrocken sollten die Grundlage für sein Arctic Henge werden, hier sollte das Sonnenlicht eingefangen werden. Ein Kreis von 54 Metern Durchmesser mit zwei Mauern und vier Toren in den jeweiligen Himmelsrichtungen. Das Ganze war inspiriert von der Edda, der »Weissagung der Seherin«. Die Verse benennen alle Zwerge der Götterwelten und künden vom Anfang und dem Ende der Welt. Erlingur sah in seinem Modell vor, die Zwerge durch kleine Säulen in den Mauern zu symbolisieren – ein fantastischer Plan, dem lediglich das Geld für die Umsetzung fehlte.

Der stetig schrumpfende Ort Raufarhöfn fiel als Sponsor aus, weitere Geldgeber waren und sind nicht in Sicht. So zog sich das Projekt hin, aber dennoch: Jedes Jahr wächst der Steinkreis etwas weiter. Heute stehen ein vierbeiniger Turm im Zentrum und die vier Tore, deren Bögen die Sonne einfangen und ihr einen besonderen Rahmen geben. Tragischerweise braucht das Projekt dringend einen neuen Spiritus Rector, denn Erlingur ist im Dezember 2015 unerwartet verstorben.

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Bücher schreiben

Ein literarisches Land

 

Jón Sveinsson, der Autor der Nonni-Bücher (© Sabine Barth)

Island ist das Land der Bücher und hat immer noch die höchste Buchproduktionszahl pro Einwohner. Man schreibt und schreibt, aber es wird auch viel gelesen, vor allem in den finsteren Zeiten.

Man rieb sich die Augen, was Island 2011 als Gastland der Frankfurter Buchmesse zu zeigen hatte. Sinnigerweise wählte man für die Präsentation gemütliche Nischen, in denen über Bildschirme Isländer in ihren häuslichen Leseecken zusehen waren. Bücher sind ein Stück Lebensgefühl und entsprechend findet man keinen Haushalt ohne Bücher. Bei den Werken muss es sich nicht um die etablierten Autoren des Landes oder der Welt handeln, sondern es kann auch der Bauer Jón aus dem gleichen Distrikt sein. Gerne liest man über Leute und Regionen, die man kennt. Das war in den früheren Jahren sicher noch beliebter als heute, als die Zahl der Kleinverlage mit wenigen Büchern hoch war. Der Vertrieb ist recht einfach in so einem kleinen Land, man kann die Leute entweder anrufen oder per E-Mail anschreiben.

Bücher und Literatur waren oft ein Trost, auch während der dänischen Kolonialzeit. Man konnte Geschichten vorlesen oder erzählen und vor allem die alten Verse rezitieren. Kurz nach der Finanzkrise 2008 erhielt das Buch erneut diesen Status. Die Isländer besannen sich auf ihre nationalen Werte und verschenkten noch mehr Bücher zu Weihnachten als sonst. Lesen als Trost. Der Verleger des größten Verlages des Landes zählte damals zu den Krisengewinnern.

Mittlerweile ist der Stellenwert der Literatur auch weltweit anerkannt: Seit 2011 hat Reykjavík den Status der »Literaturstadt der UNESCO«.

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Harpa

Imposantes Klangkunstwerk

 

(© Sabine Barth)

Dieses beeindruckende Bauwerk, das einen von der Seeseite begrüßt, wenn man sich Reykjavík nähert, ist preisgekrönt und völlig überraschend für eine so kleine Hauptstadt.

Damals, als das Geld an Islands Bäumen – zumindest denen in Reykjavík – zu wachsen schien, dachten alle ganz groß. Ein Konzert- und Kongresszentrum sollte her. Mehrere Konzertsäle mit Platz für das hervorragende Symphonieorchester, das sein Dasein bis dahin in dem alten Universitätskino fristete, sahen die Pläne vor. Es sollte ein Jahrhundertbauwerk werden. Doch dann kam der Finanz-Crash 2008 und das Ganze drohte eine Jahrhundertbaustelle bzw. -ruine zu werden. Trotz aller Staatsschulden entschieden die Isländer, den Bau fertigzustellen. Perfekt!

Jetzt haben die Isländer nicht nur eines der schönsten Konzerthäuser der Welt, sondern sie haben auch gleichzeitig ein Kunstwerk. Der dänisch-isländische Lichtkünstler Ólafur Elíasson – der zudem auch noch in Berlin lebt – gestaltete die Fensterfront zur Stadt mit Prismenfenstern, die mit LEDs ausgestattet sind und mit der Musik gesteuert werden können. In unterschiedlichen Farben tanzt die Fassade.

Aber auch die übrigen Fenster reflektieren und schimmern im Sonnenschein, je nach Wetter von Gold bis Blau, Grün, Violett. Als im August 2011 die LEDs zum ersten Mal leuchteten, waren die Betrachter etwas enttäuscht, denn der Künstler hatte – als kleinen Scherz – eine sehr schlichte Programmierung der Lichtinstallation gewählt.

Mittlerweile sind die Reykjavíker wieder versöhnt, erstrahlt die Fassade doch seitdem immer wieder in neuer Form. Harpa (die Harfe) ist damit schon längst zum neuen Wahrzeichen der Stadt geworden.

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Schwarzer Tod

So rein wie Wasser

 

(© Sabine Barth)

Es ist der andere Name für den isländischen Branntwein. Je nach Prozentzahl ist er genießbar oder einfach nur stark. Doch für etliche Besucher gilt er als das typische Getränk der Insel.

Der isländische Branntwein wird aus Kartoffeln hergestellt. In der Zeit des Alkoholverbots wurde er heimlich gebrannt, nicht immer hielten sich die Brenner ans Rezept. Heute kommt der Schnaps recht bescheiden daher: eine grüne Plastikflasche mit schwarzem Etikett. Der isländische Name lautet »Brennivín«, doch das schwarze Label erinnert an seinen zweiten Namen: »Der schwarze Tod«. In manchen Fällen hatten die alternativ gebrannten Alkoholika durchaus tödliche Wirkung; doch der Name bezieht sich auf den Alkoholgehalt, der zwischen 37 % und 40 % Vol. liegt. Außerdem hoffte man von staatlicher Seite aus, dass der Name vom Konsum abhält.

Brennivín ist ein hervorragendes Getränk in Kombination mit Hákarl oder anderen recht fettigen isländischen Köstlichkeiten. Doch viele trinken ihn auch einfach so. Auf dem Buchmessestand der isländischen Verlage gehört er zur Ausstattung. Dabei sind es weniger die Isländer, die ihn trinken, als vielmehr die skandinavischen Verleger, die ihn genießen. Für sie gehört das einfach zu ihrer Vorstellung von Island.

Skál!

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Snæfellsjökull

Dem Himmel so nah

 

(© Sabine Barth)

Vielleicht ist es der bekannteste Gletscher, zumindest ist es der formschönste, und er ragt am westlichen Rand der Halbinsel Snæfellsnes empor. An manchen Tagen kann man ihn schon vom Flughafen und von Reykjavík aus sehen.

1.446 m erhebt sich der kegelförmige Stratovulkan, dessen Gipfel immerhin auf einer Fläche von 11 km² vergletschert ist. Besonders schön sieht er im Winter und Frühling aus, wenn seine Hänge noch verschneit sind. Wenn man ihn an einem klaren Tag aus der Ferne betrachtet, scheint er nicht mit dem Festland verbunden zu sein, er wirkt geradezu schwebend und magisch. Halldór Laxness hat in seinem Roman Weltlicht wohl die treffendste Beschreibung dieses Gletschers formuliert: »Wo der Gletscher aufragt, hört das Land auf, irdisch zu sein, und die Erde hat Anteil am Himmel, dort wohnen keine Sorgen mehr, und deshalb ist die Freude nicht nötig, dort herrscht allein die Schönheit, über jede Forderung erhaben.«

In der Tat wohnt diesem Gletscher etwas Verzauberndes, vielleicht Übersinnliches inne. Bekannt war er schon im 19. Jahrhundert, vor allem durch Jules Vernes Roman Die Reise zum Mittelpunkt der Erde. Verne lässt seine Helden, Prof. Lindenbrock und seinen Neffen Axel, in den Krater des Snæfellsjökull einsteigen, von wo aus sie ihre Reise antreten. Die unterirdischen Gänge führen auf die andere Seite, wo sie wieder durch den Krater des Strombolis emporsteigen.

Das Gebiet um den Snæfellsjökull gilt als ein besonderes Energiezentrum, regelmäßig treffen sich hier Menschen, um die Energie des Gletschers zu erspüren und sich von ihr beflügeln zu lassen. Es war und ist eine besondere Pilgerstätte der New Ager. Schon Halldór Laxness hat dieses Treiben der Suchenden in dem Roman Christenheit unter dem Gletscher sehr humorvoll beschrieben. Aber egal, wie man dazu steht, der Gletscher inspiriert auch isländische Künstler immer wieder neu.

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Wikinger

Wir verkaufen Mythen

 

(© Johannes M. Ehmanns)

Natürlich fühlen sich die Isländer als echte Nachkommen der Wikinger und entsprechend wird immer mehr damit geworben. Vor allem aber ist es Teil des isländischen Selbstverständnisses: wagemutig, stur und auch mal kämpferisch.

Wenn die Isländer sich selbst und ihr Land beschreiben, dann fehlt das Schlagwort »Wikinger« nicht. Island wird mit einigen Schlagwörtern verkauft und die Wikinger gehören dazu. In Hafnarfjörður, einer Hafenstadt rund 12 km von Reykjavík entfernt, gibt es seit etlichen Jahrzehnten alljährlich ein Wikingertreffen, zu dem Wikingergruppen aus der ganzen Welt anreisen. Sie zeigen alte Handwerkskunst, Kleidung – und natürlich gehören gutes Essen und Alkohol dazu. In der Stadt gibt es außerdem ein entsprechendes Hotel und vor allem ein Restaurant. Mit den Jahren hat sich das einst nur touristische Lokal zu einem beliebten Treffpunkt für Isländer entwickelt, besonders für Firmen- und Familienfeiern. Da alles, was lukrativ ist, auch kopiert wird, findet man heute mehrere dieser Wikingerhallen und -lokale im Land.

Anbei, die »erfolgreichen« Geschäftsleute und Banker, die Island fast in den Staatsbankrot gestürzt hätten, wurden auch Wikinger genannt. Ihre Landsleute bewunderten ihr Tun und Treiben, vor allem die Einkäufe ausländischer Firmen. Durch die Krise hat die Begeisterung für diese Wikinger im Land allerdings schwer gelitten.

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Torfhaus

Das isländische Bauernhaus

 

(© Johannes M. Ehmanns)

Ursprünglich bestand das isländische Haus aus Torf bzw. Grassoden und ging auf das Langhaus der alten Siedler zurück. In einigen Freilichtmuseen kann man diese Bauten besichtigen. Doch für viele war der Wohnkomfort mit Sicherheit ärmlicher.

Das ursprüngliche Langhaus bestand nur aus einem großen Raum, erst nach und nach kamen weitere dazu. Besichtigen kann man die Ruine des mittelalterlichen Langhauses Stöng, nördlich von Hekla am Hochland gelegen. Unweit davon steht der Nachbau dieses Hofes, Þjóðveldisbærinn, der einen guten Eindruck vermittelt, wie man im 11. Jahrhundert lebte. Die meisten noch erhaltenen Torfhäuser stammen allerdings aus dem 18. und 19. Jahrhundert und stehen unter dem Protektorat des Nationalmuseums.

Grassoden und lose Feldsteine waren das einzige Baumaterial. Holz musste importiert werden und war daher sehr teuer. Ziegel konnten nicht gebrannt werden, die Bodenzusammensetzung brachte kein geeignetes Material hervor. Um Steine aus Felsen zu schlagen und weiterzubearbeiten, fehlten den Isländern die Kenntnisse, entsprechend hätte man Arbeiter aus dem Ausland holen müssen. Diese teure Bauweise war in den früheren Jahrhunderten damit nur den reichen Isländern bzw. Dänen vorbehalten.

Mit den Jahrhunderten entwickelte sich aus dem Langhaus ein Ganghaus, das aus einem in der Mitte befindlichen Gang bestand, von dem die Räume abgingen. Solche großen Höfe, typisch mit mehreren Giebeln, wurden von den Bauern selbst, dem Personal und dem Vieh bewohnt. Dazu gehörten auch die Werkstätten. So hübsch diese alten Häuser als Museum hergerichtet sind, mit 20 Leute darin zu wohnen, war nicht nur gemütlich. Die Höfe der Kleinbauern waren wesentlich ärmlicher und bestanden meist nur aus drei Räumen, und der Boden war lediglich festgestampft. Wenn vorhanden, wurden die Wände innen mit Holz stabilisiert. Die Luft war stickig, die Fenster winzig und meist war es feucht. Diese Kleinhäuser findet man kaum noch, da sie schlicht die Zeit nicht überdauert haben. Erhalten blieben gepflegte Gebäudekomplexe aus dem späten 18. und dem 19. Jahrhundert.

Die Isländer sind trotz allem stolz auf diese Baukunst, die im Grunde nur eines dokumentiert: Island war ein sehr armes Bauernland.

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Flohmarkt

Immer wieder samstags und sonntags

 

(© Sabine Barth)

Der erste und einzige Flohmarkt Kolaportið in Reykjavík ist eine Institution. Hier lassen sich die Veränderungen in der isländischen Gesellschaft bestens ablesen.

Früher befand sich der Markt in der Tiefgarage unter dem Hügel Arnarhöll, doch mit zunehmenden Autozahlen brauchte man alle Parkplätze in der Stadt. Seit den 1990er-Jahren findet er im Zollhaus statt. Die Stände sind wie kleine Zimmer abgeteilt, manchmal recht bunt gestaltet, und bilden eine Art Marktkaufhaus. Das Angebot besteht aus Second-Hand-Kleidung, Büchern, altem Tand, Modeschmuck, preiswerten Markenartikeln, neben afrikanischen Masken gibt es auch die indianischen Traumfänger und Lebensmittel. Die Verkäufer wie die Käufer kommen aus allen möglichen Ländern, denn die isländische Bevölkerung ist auch multikulti geworden. Natürlich hat man in den Sommermonaten die Touristen im Blick und präsentiert deshalb ebenso einen Stand mit Wollpullovern und Schnitzereien aus Rentiergeweih oder Walzähnen. Das Angebot der Lebensmittel orientiert sich überwiegend am isländischen Geschmack, so findet man Trockenfisch, Lummeneier, Hákarl – fermentierten Hai – oder einfach die »besten Kartoffeln der Welt«, die natürlich aus Island kommen.

Der Markt findet jedes Wochenende statt. Einige Händler sind regelmäßig dort, andere kommen vielleicht nur einmal. Wenn man sich draußen umschaut, trifft man auch schon mal Isländer, die ganz offensichtlich aus dem Wohlstandsbürgertum herausgefallen sind. Auch wenn man beobachtet, wer kauft, so sieht man etliche Ältere oder junge Frauen mit Kindern, die vor allem nach preiswerter Kleidung suchen.

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Geothermie

It's getting hot in here

 

(© Johannes M. Ehmanns)

Es zischt, dampft und blubbert vielerorts, so hört sich Islands Reichtum an. Die geothermalen Felder und Gebiete liefern riesige Mengen an Energie, die bisher nur in relativ geringer Menge genutzt werden. Rund 280 Gebiete hat man bisher ausgemacht.

Islands Reichtum besteht neben den Fischen in seinen Energievorkommen und hier im Besonderen dem heißen Wasser und heißen Dampf der geothermalen Felder und Gebiete. Innerhalb der aktiven Vulkanzone, die sich durch Island erstreckt, liegen circa 30 Hochtemperaturgebiete. Hier beträgt die Wassertemperatur in 1.000 m Tiefe mehr als 200 °C. Das sind die Regionen, in denen man auf Geysire, Fumarole und Schlammtöpfe trifft. Oft stinkt es infernalisch, und deutlich zeichnet sich der Schwefel ab. Der Boden ist so sauer, dass sich keine Pflanze zeigt. Nicht weit entfernt von diesen Gebieten stehen die Kraftwerke. Sie nutzen den Dampf zur Stromerzeugung und das heiße, geothermale Wasser, um kaltes Frischwasser aufzuheizen. Mit diesem Frischwasser werden dann die Häuser beheizt. Das thermale Wasser ist zu mineralhaltig, um es direkt zu verwenden. Als »Abwasser« kann es aber noch für Bäder wie die Blaue Lagune oder das Bad am Mývatn genutzt werden.

Zusätzlich gibt es in Island noch 250 Niedertemperaturgebiete, die weit im Land verbreitet sind. In diesen Gebieten beträgt die Temperatur in 1.000 m Tiefe maximal 150 °C. Das Wasser ist nicht so mineralhaltig, wohl aber riecht es vielerorts nach Schwefel. Auf jeden Fall kann es als heißes Wasser unmittelbar verwendet werden.

Früher war es in Reykjavík normal, dass heißes Wasser erst einmal stank und bei ständiger Verwendung z. B. den Schmuck verfärbte. In den Hotels und auch in Neubauten wird der Schwefelanteil mittlerweile reduziert, in alten Häuser erlebt man es heute noch.

Reykjavík liegt in einem Niedertemperaturgebiet, was im 19. Jahrhundert und bis Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem für die Waschfrauen praktisch war, sie wuschen die Wäsche direkt in den heißen Quellen in Laugardalur (Tal der warmen Quellen).

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Leifur Eiriksson

Der isländische Entdecker Amerikas

 

(© Johannes M. Ehmanns)

Überlebensgroß steht er vor Reykjavíks größter Kirche, ein Geschenk der USA, geschaffen von dem amerikanischen Künstler Sterling Calder. Als Miniaturausgabe steht er im Flughafen in Keflavík, der ja auch Leifur Eiríksson heißt. Zu Recht, denn Leifur war der erste Europäer in der neuen Welt.

Leifur war der älteste Sohn von Eiríkur Thorvaldsson, besser bekannt als Erik der Rote, und wurde vermutlich zwischen 970 und 980 in Eiríksstaðir in Westisland geboren. Schon seine Vorfahren waren unternehmungslustig, sein Großvater Thorvald Avaldsson kam mit seiner Familie von Norwegen nach Island und sein Vater Eiríkur ließ sich mit Mann und Maus in Grönland nieder. Genau genommen war er der erste europäische Siedler dort. Leifur hatte schon von Bjarni Herjólfsson gehört, dass es weiter im Westen noch fruchtbares Land gab. Bjarni war auf seinem Weg nach Grönland abgetrieben und entdeckte somit die Gestade des heutigen Kanada zufällig. Leifur ging dagegen im Jahr 1000 recht planvoll vor. Er startete von Südgrönland aus, wo die Familie jetzt ihren Sitz hatte, und erforschte die Küste von Kanada, die er Helluland, Vínland und Markland nannte.

Leifur übernahm nach dem Tod seines Vaters dessen Funktion als Oberhaupt der Sippe. Seinen Beinahmen »heppni«, der Glückliche, erhielt er nicht, weil er so erfolgreich bei der Landentdeckung war, sondern weil er Schiffbrüchige rettete. Es heißt, dass er ein ausgesprochen friedvoller Mensch gewesen sei, anders als sein Vater Eiríkur. Er war auch derjenige, der das Christentum im Jahr 1000 im Auftrag des norwegischen Königs nach Grönland brachte, zur Freude seiner Mutter, die die erste Christin wurde und eine kleine Kirche bauen ließ. Sein Vater dagegen war ein überzeugter Anhänger des alten Glaubens.

Dass dieser edle Wikinger der Namensgeber für den internationalen Flughafen in Keflavík ist, überrascht nicht, schlug er doch als erster Isländer die Brücke nach Nordamerika. Zwei Sagas aus dem 13. Jahrhundert schildern die Fahrten in die Neue Welt, Grælendinga saga und Eiríks saga rauða. Vermutlich kannte auch Kolumbus diese Texte.

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Sammeln

Behalten und ausstellen

 

(© Johannes M. Ehmanns)

Wenn man in Island über Land fährt, sieht man nicht nur eine überwältigende Landschaft, sondern man findet auch manch’ Kurioses: So wie die Schrottplätze an etlichen Höfen, die sich bei genauem Blick als »Sammlung« alter Fahrzeuge erweisen.

Neben dem Bauernhof, der durchaus auch aus mehreren Häusern unterschiedlicher Generationen bestehen kann, stehen alte Landmaschinen, Traktoren aus verschiedenen Zeiten und noch etliche Autos. Die meisten Dinge verrotten und sinken langsam, aber stetig in den Boden ein, andere werden wohl noch gebraucht – und sei es nur zum Ausschlachten. Auf der Wiese verrostet die alte Egge, um die in der Zwischenzeit sehr sorgfältig mit der neuen Mähmaschine herumgefahren wird. Wenn es gar zu viele Fahrzeuge werden, so kann man auch ein Fahrzeugmuseum daraus machen.

Entsprechende Automuseen sind nicht selten. Einige zeigen richtig alte Schätze und andere präsentieren nur die sonderbaren Privatbestände aus mehreren Jahrzehnten. Ein hervorragendes Verkehrsmuseum ist in Skógar, angeschlossen an das dortige Heimatmuseum. Hier gibt es eine Systematik, die vom Pferd über die ersten Jeeps bis zum Feuerwehrauto reicht. Auch die übrige Sammlung ist sehr lohnend aufgearbeitet, wobei es natürlich auch Bereiche gibt, in denen einfach mal alles, was dem Gründer des Museums aus der Region angeboten wurde, herumsteht. Auf jeden Fall hat man nach dem Besuch einen Eindruck vom Leben in der alten Zeit.

Museum heißt auf Isländisch safn – Sammlung, wobei Ansammlung für viele Heimatmuseen treffender wäre. Einfach alles, was alt ist, wird ausgestellt. Erstaunlich, dass selbst so eine kleine Nation es auf sehr viele Buttertröge, Skýrpressen, Reitsättel und Spinnspulen gebracht hat.

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Das Buch

Island 151

Das sagen die Medien

»Man hat das Gefühl, nach der Lektüre alles über Island zu wissen und wünscht sich gleichzeitig, noch mehr in diese Welt einzutauchen.« (Philipp Schneider, SpaZz – das Magazin für Ulm und Neu-Ulm)

»Lässt keine Langeweile aufkommen« (Volker Hamacher, Allradler)

Informationen zum Buch

Island – das Land der Sagas und Schafe, der Witterung und Wikinger. Hier pflegt man die Geschichte und schmückt sich mit Legenden. Hier scheinen die Menschen in der Weite des Hochlands oder in einsamen Gebirgen zu verschwinden, nur um sich am Wochenende zu Tausenden wieder auf den Straßen zu tummeln. Hier lassen sich die Bewohner auch durch Regen nicht vom Lammfleischgrillen abhalten und bizarre Naturbäder, Brot aus der Erde und fermentierter Hai gehören genauso zum Leben wie Smartphones und Superjeeps.

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Autorin Sabine Barth

Sabine Barth wuchs in Köln auf und studierte dort Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Germanistik, Sozialpsychologie und Völkerkunde.

Als Schauspiel-Dramaturgin arbeitete sie an den Wuppertaler Bühnen und dem Saarländischen Staatstheater. Anschließend war sie hauptsächlich journalistisch tätig, als leitende Redakteurin der Zeitschrift nrw literarisch sowie später in gleicher Funktion für das Magazin foglio. Außerdem verfasste sie Feature und Literaturkritiken für den Rundfunk.

Beeindruckt von Island und Grönland schrieb sie mehrere Reiseführer über diese Länder, die sie erstmals in den 1980er-Jahren bereiste. In Reykjavík lebte sie zwei Jahre und leitete dort das ehemalige Goethe Zentrum. Seit 2003 arbeitet regelmäßig sie als Lektorin auf Kreuzfahrtschiffen, die den Norden befahren.

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