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Passion Gap

Mut zur Leidenschaftslücke

 

(© Lino Steenkamp)

Das Cape-Flats-Lächeln bezirzt nicht etwa durch gerade, gepflegte, strahlend weiße Zähne, sondern vielmehr ganz ohne jeglichen Schnickschnack durch einen nackten Gaumen.

Dabei sind den stolzen Trägern dieses Lächelns die Vorderzähne keineswegs verfault, sondern vielmehr in gesundem und tadellosem Zustand gegen eine nicht unerhebliche Menge Geld vom Zahnarzt gezogen worden.

Die Zahnlücke heißt am Kap Passion Gap
(»Leidenschaftsspalt«). Ihre Sympathisanten, farbige Südafrikaner der Westkap-Provinz, behaupten, damit besser küssen und auch besser anderen leidenschaftlichen Aktivitäten nachgehen zu können.

Die Lücke hat Tradition. Früher mussten sich Farbige in der Kapkolonie als Sklaven verdingen. Den Wert eines Sklaven legten die Kolonialherren anhand des Zustandes des Gebisses fest. Viele Farbige zogen sich aus Protest die Vorderzähne und zeigten so den Kolonialherren den Stinkefinger.

Seitdem ist die Zahnlücke in geblieben. Der Kapstädter Jonathan erklärt warum: »Die Passion Gap ist unser Stil in Kapstadt. Daran kannst du sehen, dass wir aus Kapstadt kommen, weil wir uns die Zähne ziehen. Außerdem fühlt es sich beim Küssen sehr lekker an. Freitagabend zum Ausgehen setzen wir dann die vergoldeten Gebisse ein. Das ist schick. Die Passion Gap ist Teil unserer Persönlichkeit, unser einzigartiges Markenzeichen als Cape Coloureds.«

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Die Kraft des menschlichen Geistes

Aus einer schlechten Situation das Beste machen

 

(© Elena Beis)

Das Auffälligste und Bemerkenswerteste an Gegenden wie den Cape Flats oder anderen südafrikanischen Townships sind nicht die Probleme und das Elend, die den Alltag prägen, sondern die Menschen, die hier leben und denen es immer wieder aufs Neue gelingt, die tristesten Ecken in warme, einladende und menschliche Orte zu verwandeln. Ja, das Leben ist hart, aber das Leben geht weiter.

Kinder lassen sich von Gangsterschießereien an ihren Schulen nicht vom Lernen abbringen, Mütter verlieren nicht den Mut, wenn sie sich für einen Hungerlohn sechs Tage die Woche in den Häusern der Reichen abrackern, selbstständige Väter nicht, wenn ihnen die Behörden unnötige Steine in den Weg legen. Die meisten bewahren ihre Liebe zum Leben, ihre Träume und ihren Humor und leben jeden Tag, als wäre es der letzte – vielleicht auch deswegen, weil sie ständig daran erinnert werden.

Hier in den Armenvierteln wird aus Müll Kunst geschaffen, werden aus leeren Dosen farbige Collagen gemacht, aus Draht und Bierdeckeln Handtaschen, aus Plastikflaschen schön bemalte Schmuckschalen. Um zu überleben, häkeln und stricken Menschen Schals und Käppis und verkaufen sie, sie flechten die Haare ihrer Nachbarn, holen günstig Obst von Farmen und verkaufen es am Straßenrand gegen ein paar Rand mehr oder backen Muffins und gehen von Tür zu Tür, um diese zu verkaufen.

Auf den ersten Blick könnte man geneigt sein zu sagen, Gott habe die arme Mehrheit von Südafrika, die jeden Tag gegen so viel Ungerechtigkeit und Härte ankommen muss und der nichts, aber auch wirklich nichts geschenkt wird, vergessen. Auf den zweiten Blick sieht man aber angesichts der Kraft und der Unbesiegbarkeit ihres menschlichen Geistes, dass er nirgendwo im schönen Südafrika präsenter ist als hier in den Elendsvierteln, bei ihnen.

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eGoli

Stadt aus Gold

 

(© Simone Bazley)

Unverhofft stolpert der Australier George Harrison an einem Sonntag im März 1886 über den Ausläufer eines Riffs des Witwatersrand, des 200 Kilometer langen Bergzugs im Nordosten Südafrikas. Dort entdeckt er ein Klümpchen Gold.

Die Neuigkeiten verbreiten sich wie ein Lauffeuer, die Goldgräber eilen herbei und binnen weniger Monate verwandelt sich die weite, unberührte Savanne in eine riesige Zeltstadt. Der Ort erhält auf isi-Zulu den Namen eGoli (»Stadt des Goldes«), auf Englisch Johannesburg, und schwillt innerhalb von zehn Jahren zur größten Stadt des südlichen Afrikas an.

Das Gold macht aus Johannesburg, einer Wüstenlandschaft ohne Gewässer, Afrikas wichtigste Wirtschafts- und Finanzmetropole. Sogar die südafrikanische Währung (»Rand«) wird nach dem schicksalhaften Ort der ersten Goldfunde, dem Witwatersrand, benannt.

Bis heute prägt das Gold die Stimmung der Stadt. Rund 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes von ganz Afrika werden hier erwirtschaftet. Früher strömten Menschen wegen des Goldes nach Johannesburg, heute kommen sie nach eGoli, in die Stadt des Goldes, um Geld zu verdienen, Karriere zu machen und ihr Glück zu versuchen – wie einst die Goldgräber.

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Citigolf

Die Legende lebt

 

In sonnenscheingelb, feuerrot, wolkenweiß und himmelblau flitzt der Citigolf – in Südafrika auch Chico genannt – durch die Städte.

Er klemmt sich bei Bedarf in jede noch so kleine Parklücke und büßt aufgrund seiner Größe weder Eleganz noch Würde ein, wie der jüngere Smart. Öfters unternimmt er auch einen kleinen Abstecher auf die Schnellspuren der südafrikanischen Highways, sehr zum Verdruss der vielen protzigen, rasenden Geländewagen.

Der in Europa mittlerweile fast entschwundene Golf Eins ist auf Südafrikas Straßen omnipräsent und für Studenten, junge Berufstätige, Familien der Mittelschicht, Künstler, Arbeiter und Beamte aufgrund seines günstigen Preises, geringen Wertverlustes, niedrigen Benzinverbrauchs und leicht erhältlichen Ersatzteilen der Wagen erster Wahl. Ihm haftet zudem der Ruf deutscher Zuverlässigkeit an, schließlich brausen die meisten Chicos schon seit 15 Jahren unermüdlich die Straßen auf und ab und bleiben selbst mit 200.000 Kilometern auf dem Buckel unkaputtbar.

Im Laufe seiner mehrere Jahrzehnte dauernden Produktionszeit in Südafrika von 1978 bis 2009, erlebte der Citigolf ein Wachstum von 800 Prozent: Er verzeichnete 3.500 Neuzulassungen in seinem ersten Jahr und 28.000 Stück in seinem letzten – ein weltweit einmaliger Liebesbeweis für ein 35 Jahre altes Automodell.

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Shark Spotter

Achtung, weißer Hai!

 

An der False Bay bei Kapstadt ist die Dichte an weißen Haien weltweit am höchsten. Das ist kein Zufall. Weiße Haie verspeisen nichts lieber als Robben, und in der False Bay lebt eine Robbenkolonie auf einer eigenen Insel (Seal Island). An Menschenfleisch sind Haie nicht interessiert. Allerdings kommt es wegen der hohen Dichte an Haien und menschlichen Badegästen in ein und derselben Bucht ab und an zu Missverständnissen. Deswegen bewachen Shark Spotter 365 Tage im Jahr die kritischen Strände und warnen mit Flaggen und Sirenen, wenn sich Haie in der Nähe befinden.

Zwei dunkle Schatten im Meer nähern sich dem Badeort Fishhoek und biegen am rechten Felsausläufer der Bucht in Richtung Strand ab. Monwabisi ist sich sicher: Es sind zwei weiße Haie.

Mit einem Fernglas auf dem Berg über Fishhoek sitzend, greift Monwabisi, der Shark Spotter, sofort zu seiner Fernbedienung, um die Sirene unten am Strand auszulösen. Dann verständigt er seinen Kollegen Faeze, der unten bei den Badegästen ist. Faeze fordert alle Schwimmer auf, das Wasser unverzüglich zu verlassen und hisst in der Mitte des Strandes die weiße Flagge mit dem schwarzen Hai. Die Flagge, die anzeigt, dass ein Hai in der Bucht schwimmt.

Die dunklen Schatten driften langsam wieder aus der Bucht heraus, als Monwabisi auf einmal eine einsame
Gestalt bemerkt, die am südlichen Ende der Bucht ins Wasser läuft – trotz Flagge und Sirene! – und herausschwimmt. Einer der Haie ist keine 100 Meter von ihm entfernt! Monwabisi stürmt in sein Auto und brettert den Berg runter Richtung Strand. Als Faeze den Schwimmer bemerkt, stürzt auch er ans Ende der langen Bucht, um ihn aus dem Wasser zu holen.

Doch bevor Monwabisi und Faeze den Schwimmer erreichen können, hat sich der eine Schatten an den Schwimmer herangepirscht, langsam und bedächtig, so dass der Schwimmer ihn nicht bemerkt.

Sorglos krault dieser tiefer ins Meer hinein ...

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Baboon-Wächter

Die mit den Pavianen leben

 

(© Nancy Pena)

»Willy, the baboon, in face-off with labrador«
Willy, der Pavian, in Konfrontation mit einem Labrador

»Baboons with a taste for Chardonnay grapes are terrorising farmers«
Paviane mit einer Vorliebe für Chardonnay terrorisieren Farmer

»Hijacked by baboons«
Auto von Pavian überfallen

Die 400 Tschakmas (»Bärenpaviane«), die in Truppen am Kap leben, sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Mal verläuft sich einer in die Stadt, mal essen sie die erntereifen Weintrauben von Weinfarmen und betrinken sich dabei, mal klauen sie Picknickkörbe oder gefährden kleine Kinder, wenn sie in Autos einbrechen. Menschen, die Paviane füttern und sie lehren, dass Menschen Essen abgeben, setzten diesen Teufelskreis in Gang.

Für Tschakmas gibt es nichts Logischeres, als Menschenessen zu klauen. Ein Butterbrot oder einen Doughnut zu erhaschen geht wesentlich schneller, als mühsam den ganzen Tag lang in der Natur Früchte, Nüsse und Muscheln aufzuklauben. Und ist der Nahrungsbedarf einmal gedeckt, können die Paviane den Rest des Tages ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: abhängen, spielen und sich paaren.

Um Zusammenstöße mit genervten Einheimischen zu vermeiden, die vereinzelt manchmal sogar mit Gewehren auf die Tiere schießen, wenn ihr Haus zum dritten Mal in der Woche von einer Pavian-Truppe verwüstet wird, leben Baboon-Wächter mit den Pavianen am Kap zusammen. Jede Pavianhorde hat ihr eigenes Wächter-Team. Die Wächter scheuchen sie die Berge hoch, wenn sie wieder einmal einen kleinen Abstecher in eine Menschensiedlung unternehmen wollen. Und die Paviane kennen ihre Wächter. Ab und zu versuchen sie zu entwischen, indem sie sich zum Beispiel in Mülltonnen verstecken und den Deckel über ihrem Kopf zuziehen. Das bleibt zumeist erfolglos, weil auch die Wächter ihre Pavianhorde gut kennen, schließlich verbringen sie 365 Tage im Jahr zusammen.

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Biltong

Etwas zum Knabbern

 

Der gestählte, britische Rare-Steak-Liebhaber mag im südafrikanischen Supermarkt perplex zurückschrecken beim Anblick der verranzt aussehenden Fleischstreifen im Plastikkasten mit dem schimmelartigen Belag und der Form, die so aussieht, als habe ein Mensch das Tier per Hand erlegt und mit seinen Zähnen in ungleiche Stücke gerissen – der zierlichen Südafrikanerin neben ihm wird derweil das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Und nicht nur ihr: Mehrere Einkäufer bleiben mit ihren Wägen andächtig vor dem Kasten stehen und packen viele dieser ungleich geformten Fleischstreifen und -stücke in eine Papiertüte. Noch bevor sie zur Supermarkttür heraus sind, holen sie ihre Biltong-Stangen aus den Einkaufskörben heraus und knabbern genüsslich daran.

Südafrikaner lieben Biltong, fast so sehr wie den Braai. Manche Mütter lassen bereits ihre zahnenden Kleinkinder daran kauen. Außen hart, innen weich, sind die luftgetrockneten Fleischstreifen perfekt dazu geeignet.

Biltong schmeckt auch längst nicht so furchterregend, wie es für das unkundige Auge bei der ersten Begegnung aussieht. Ganz im Gegenteil: Es schmeckt nach salzigem, scharfem Fleisch, manchmal auch nach Koriander, Pfeffer, Essig, Chili und allerlei anderen Gewürzen. Biltong ist zudem sehr fettarm und gesünder als jede Tüte Chips. Fast jede Fleischsorte wird zu Biltong verarbeitet – Rind, Kudu, Strauß, Springbock, Eland, Zebra, Krokodil und sogar Hai.

Vor knapp 400 Jahren ist Biltong aus der Not entstanden. Als es noch keine Kühlschränke gab, war die einzige Möglichkeit, Fleisch zu konservieren, es in Essig, Salpeter und Gewürze einzulegen und zu trocknen. Seitdem lebt Biltong in Südafrika als Lieblingssnack weiter.

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Jol

Party oder einfach »eine gute Zeit«

 

(© Jauretsi)

Die Afrikaaner übernahmen das Wort von den Engländern (»to have a jolly good time« heißt »sich gut amüsieren«), kürzten es auf jol ab, wie zum Beispiel »last night was a jol« (»gestern Abend war sehr lustig«) und von da an fand das Wort quer durch alle kulturellen Gruppen Südafrikas so viel Anklang, dass sogar Anglo-Südafrikaner heutzutage lieber jol als jolly sagen.

Die Vokabel hat auf typisch südafrikanische Art mit der Zeit mehr und mehr Bedeutungen hinzugewonnen und wird nun in allen Zusammenhängen, die in irgendeiner Form mit Spaß oder einer freudigen Atmosphäre verwandt sind, eingestreut. Witzig, schön, sexy, verwegen, ausgehen, sich betrinken und auch »herummachen« – das alles fällt unter jol. »I caught Mark and Mary jolling out« heißt demnach »Ich habe Mark und Mary beim Knutschen erwischt«.

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San

Es war einmal

 

(© dna photographers)

Bunte Felsbilder von Tierherden, Antilopen, Heilern und Tänzern in Trance, gezeichnet mit Ocker, Blut, Galle und Eiweiß: Das sind die einzigen Spuren, die die San, das Urvolk Südafrikas und älteste Volk der Welt, in ihrer Heimat hinterlassen haben.

Schätzungsweise 40.000 Jahre bevor die schwarzen Bantu-Völker aus Zentralafrika und die weißen Kolonialisten aus Europa in Südafrika ankamen, durchstreiften die San in kleinen egalitären Gruppen zusammen mit den Wildtieren das Land. Anführer gab es keine, Entscheidungen wurden gemeinschaftlich ausdiskutiert und getroffen, und wer Erfahrung und Kenntnisse mitbrachte, konnte die Gruppe überzeugen. Die Gruppen setzten sich nach persönlichen Vorlieben und Verwandtschaftsverhältnissen zusammen und teilten alles miteinander; so etwas wie individuellen Besitz kannten die San nicht.

Ihre schönen Felszeichnungen, die von ihrem Alltag, ihren Festen und ihren Reisen in die spirituelle Welt erzählen, sind bis heute in den Drakensbergen (KwaZulu-Natal) und den Zederbergen (Westkap-Provinz) zu sehen. Heute leben die wenigen überlebenden San in der Kalahari-Wüste in Namibia und Botswana. Gab es vor 300 Jahren noch etwa 400.000 San, so sind es heute im gesamten südlichen Afrika nur noch 100.000 – die eingewanderten Bantu-Völker haben die San zuerst in unwirtliche Gebiete abgedrängt, die Kolonialisten haben sie dann anschließend fast ausgerottet.

Nichtsdestotrotz lautet immer noch ein Glaubenssatz der San: »Du kommst und du gehst. Aber wenn du wiederkommst, dann wirst du bleiben.«

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Ahnen

Immer ein Mittler in der Mitte

 

(© Katrin Anders)

Gugu durchlebt gerade eine wahnsinnige Pechsträhne. Ihr Abitur hat sie nicht bestanden und der junge Mann, in den sie sich unsterblich verliebt hat, geht mit einer anderen aus. Also sucht sie eine Sangoma auf, um herauszufinden, was es mit dem Pech auf sich hat.

Die Sangoma hört sich Gugus Sorgen an, wippt, singt, atmet Weihrauch ein und vollzieht ein Ritual, das sie für die Geisterwelt empfänglich macht, bis sie endlich Gugus Schutzahnen sehen kann. Es ist eine Urgroßtante von Gugu, die schon lange tot ist. Die Sangoma würfelt ein paar Knochen in der Hand und wirft. Der Geist von Gugus toter Großtante veranlasst, dass die Knochen auf eine bestimmte Art fallen, wie eine Metapher, die die geübte Sangoma für Gugu nun entschlüsselt.

Die schwarzen Völker von Südafrika glauben, dass Menschen nach ihrem physischen Tod als Geistwesen weiterleben und einen direkten Einfluss auf den Alltag der Hinterbliebenen ausüben. Sangomas vermitteln zwischen den Lebenden und den Toten.

Für alle wichtigen Angelegenheiten des Lebens gibt es bei den schwarzen Kulturen Südafrikas einen Mittler. Wenn eine Heirat arrangiert wird, gibt es einen Mittler, wenn ein Geschäft verhandelt wird, gibt es einen Mittler, wenn Unrecht wiedergutgemacht wird, gibt es einen Mittler, wenn Menschen mit ihren Ahnen sprechen, gibt es einen Mittler und so gibt es auch einen Mittler für die Kommunikation mit Gott, dem höchsten Wesen. Diese Mittler sind die toten Ahnen, die als Geistwesen dem Göttlichen schon einen Schritt näher als die Lebenden sind.

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Rainbow-Nation

Let's come together

 

(© dna photographers)

»Bei mir zu Hause, in Südafrika, habe ich früher während großer Zusammentreffen, bei denen Schwarze und Weiße zusammensaßen, gesagt: Hebt eure Hände. Schaut eure Hände an, wie die unterschiedlichen Farben unterschiedliche Menschen repräsentieren. Der Regenbogen ist ein Symbol des Friedens. Ein Symbol des Wohlstandes. Und wir möchten Frieden, Wohlstand und Gerechtigkeit. Wir können das alles haben. Wenn wir, das Regenbogenvolk Gottes, alle zusammenarbeiten.«

Desmond Tutu,
anglikanischer Erzbischof

Der Regenbogen ist die Metapher für das neue Südafrika. In Südafrikas einheimischen Kulturen, wie der Xhosa-Kultur, verkörpert der Regenbogen Hoffnung und eine glänzende Zukunft. Die neue südafrikanische Nationalflagge – sie wurde 1994 eingeführt – symbolisiert das Zusammenkommen der unterschiedlichen Kulturen, wie der Regenbogen. Der in der Mitte zusammenlaufende Streifen stellt die neue Einheit des Landes dar. Das Grün steht für die Hoffnung, das Schwarz für die schwarzen Völker des Landes und das Gelb für die Sonne und die Bodenschätze Südafrikas. Das Rot verkörpert das Blut, das während der Befreiungskämpfe vergossen wurde, das Blau die beiden Ozeane und den südafrikanischen Himmel und das Weiß repräsentiert die weiße Bevölkerung – und den neu gefundenen Frieden.

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ish

Über den Daumen gepeilt

 

Ein beliebtes Anhängsel mit der Bedeutung »ein bisschen« oder »um den Dreh« ist ish. Am liebsten wird ish mit Zeit- und Zahlenangaben verknüpft, um diese von vornherein unverbindlich zu halten und keine großen Hoffnungen auf Pünktlichkeit zu wecken.

In Kombination mit einer Zahl, wie nine-ish oder five-o’clock-ish will ish sagen: »15 bis 45 Minuten später«. In Verbindung mit ohnehin vagen Angaben wie soon (»I will come soon-ish«) oder early (»Let’s meet for breakfast early-ish«) verkündet der Sprecher ohne dezidierte Erklärungen abzugeben, dass er sich keinen Wecker stellen wird, sondern sich, wenn er early-ish aufwacht – was morgens, durchaus aber auch mittags sein kann – zwecks vereinbartem Brunch meldet.

Insbesondere Kapstädter lieben das ish. Die arbeitsameren Johannesburger gehen etwas sparsamer damit um. Und die deutschen Expats in Südafrika gehen gerne einmal in die Luft, wenn sich der ohnehin verspätete Handwerker oder Telekom-Angestellte, mit ishs am Telefon noch mehr Zeit erheischen will.

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Das Buch

Südafrika 151

Das sagen die Medien

»Jeder Text ist mit Fotos dokumentiert - keine wahllos zusammengestellten Agenturbilder, sondern originelle und künstlerische Reportagefotos. [Aus den Momentaufnahmen] schält sich ein umfassendes Bild von Südafrika heraus, mit Details, die auch Landeskennern teilweise noch unbekannt sein dürften.« (Oliver Gerhard, SÜD-AFRIKA Magazin, Oktober 2013)

»Sorgfältig recherchiert, nie von oben herab und voller Empathie für die Menschen Südafrikas, zeichnet Elena Beis ein buntes Bild vom Alltagsleben an der Südspitze Afrikas. Hervorzuheben ist die besonders gelungene Einbindung von höchst treffenden und optisch wertvollen Fotos. Mit 15 Jahren Südafrika-Erfahrung ist mir dieses Buch eine uneingeschränkte Empfehlung wert.« (Johannes Köring, kapstadt.de, September 2012)

Informationen zum Buch

Mzansi, das ist das neue Südafrika: bunt, widersprüchlich, überwältigend. Ort des Untergangs und der guten Hoffnung, der hart erfochtenen Demokratie und der Polygamie, wo Gold, Geld und Glitzer auf weitläufige Wellblechslums treffen. Heimat einer westlich orientierten Gesellschaft, die sich zur Diagnose von Krankheiten am liebsten den toten Ahnen anvertraut.

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Autorin Elena Beis

Elena Beis ist beruflich wie persönlich auf einer Dauerreise. Sie ist in Köln geboren und hat an der LMU München Theaterwissenschaften, Germanistik und Psychologie studiert. Nach ein paar kürzeren Auslandsaufenthalten in den USA, Mexiko und Südostasien hat sie vor sieben Jahren die Zelte in Südafrika aufgeschlagen. Wann immer sie kann, geht sie in Afrika auf Entdeckungsreise.

Elena Beis hat zunächst an Theatern in Deutschland und Österreich als Regieassistentin gejobbt und ist 2005 in den journalistisch/redaktionellen Bereich gewechselt. Seitdem schreibt sie freiberuflich für deutsche und südafrikanische Print- und Onlinemedien.

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